Mehrere Studien eines Forschungsteams der Medizinischen Universität Wien, Abteilung für Neurologie, haben bereits gezeigt, dass Patienten mit Symptomen der Alzheimer-Demenz nach TPS eine Steigerung der kognitiven Fähigkeiten (gemessen mittels CERAD-Test) verzeichnen und darüber hinaus eine signifikante Verbesserung depressiver Symptome berichten (mittels Beck's Depression Inventory; BDI).1,2
In einer neuen Studie analysieren Cont et al. erste TPS-Ergebnisse eines Zentrums in Deutschland.3 Die Autoren liefern eine retrospektive Pilotstudie zur Durchführbarkeit, Sicherheit und kurzfristigen Wirkung der TPS auf die kognitive und emotionale Funktion von Alzheimer-Patienten. Um weitere Erkenntnisse über die TPS bei Patienten mit Symptomen der Alzheimer-Erkrankung in verschiedenen Stadien zu gewinnen, wurden Patienten mit Symptomen leichter, mittelschwerer und schwerer Alzheimer-Demenz in die Studie aufgenommen.
Methoden
Elf Patienten mit Alzheimer wurden in der Abteilung für Neurologie und Neurorehabilitation am Hospital zum Heiligen Geist in Kempen, Deutschland, vor und nach der ersten TPS-Stimulationsserie auf ihre kognitiven und emotionalen Funktionen untersucht (neun Männer, zwei Frauen, Alter 59 – 77 Jahre, MW = 69,8 Jahre). Das folgende Behandlungsprotokoll wurde verwendet:
- Energie: 0,20 mJ/mm2
- Frequenz: 4 Hz
- Behandlungsbereiche: bilateraler frontaler Kortex, bilateraler lateraler parietaler Kortex und erweiterter Precuneus-Kortex. Im Vergleich zu bisherigen Studien wurde erstmalig auch der bilaterale temporale Kortex in die TPS-Behandlung einbezogen.
- Behandlungssitzungen: entweder sechs Sitzungen mit 6.000 Impulsen über 2 Wochen mit einer ≥ 48 h Pause zwischen den Sitzungen oder 12 Sitzungen mit 3 000 Impulsen jeden Tag.
Vier Patienten hatten »leichte«, fünf »mittlere« und zwei »schwere« kognitive Symptome. Die folgenden Outcomes wurden vor und nach der TPS-Stimulationsserie erhoben: Alzheimer's Disease Assessment Scale (ADAS), bestehend aus einer kognitiven Subskala (ADAS Cog) und einer Subskala zur Erfassung verhaltensbezogener und psychischer Symptome (ADAS Non-cog), Mini-Mental Status Examination (MMSE) und Montreal Cognitive Assessment (MoCA). Darüber hinaus wurden subjektive Veränderungen des Symptom-Schweregrads, Auswirkungen auf depressive Symptome sowie Nebenwirkungen mit Hilfe von numerischen Bewertungsskalen (NRS) erfasst. Statistisch untersucht wurden Veränderungen von der Prä- zur Postmessung sowie Zusammenhänge zwischen diesen Veränderungen und dem initialen Schweregrad der Erkrankung. Veränderungen innerhalb von Gruppen unterschiedlicher Symptomschwere (leicht, mittelschwer und schwer gemäss MSSE) wurden deskriptiv dargestellt.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Unerwünschte Ereignisse (Schmerzen im Kiefer, Übelkeit, Benommenheit) traten nur selten auf (in 4 % der Sitzungen), und keine dauerte länger als einen Tag. Es zeigten sich signifikante Verbesserungen im ADAS und ADAS Cog. Einige Patienten zeigten nur geringe Verbesserungen, wobei andere deutliche Verbesserungen verzeichnen konnten. Die grösste Steigerung bei einem Patienten betrug 40%. Beim MMSE und beim MoCA war keine signifikante Veränderung festzustellen. Der von den Patienten selbst angegebene Schweregrad ihrer Symptome verbesserte sich signifikant. Die in einer ADAS-Subskala gemessenen depressiven Symptome verbesserten sich ebenfalls signifikant. Die statistische Datenanalyse ergab keine signifikante Korrelation zwischen der klinischen Verbesserung und dem Schweregrad der Ausgangssymptome. Diese nicht-signifikanten Ergebnisse lassen sich möglicherweise durch die geringe Fallzahl und damit einhergehende Power erklären. Eine deskriptive Analyse der Daten zeigte jedoch bei den meisten Tests eine grössere Verbesserung bei den schwer und mittelschwer betroffenen Patienten im Vergleich zu den leicht betroffenen Patienten.
Nach Ansicht der Autoren deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass schwer und mittelschwer betroffene Patienten ebenfalls von der TPS profitieren wie leicht betroffene Patienten.
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Quellen:
1. Beisteiner R, Matt E, Fan C, et al. Transcranial pulse stimulation with ultrasound in Alzheimer’s disease—a new navigated focal brain therapy. Adv Sci. 2019;7:1902583.
2. Matt E, Dörl G, Beisteiner R. Transcranial pulse stimulation (TPS) improves depression in AD patients on state-of-the-art treatment. Alzheimer’s Dement. 2022;8:e12245.
3. Cont C, Stute N, Galli A, Schulte C, Logmin K, Trenado C and Wojtecki L. Retrospective real-world pilot data on transcranial pulse stimulation in mild to severe Alzheimer's patients. Front Neurol. 2022 Sept 14;13:948204. doi: 10.3389/fneur.2022.948204