Transkranielle Pulsstimulation (TPS) bei Alzheimer-Patienten: Neue Publikation beschreibt Behandlungsprotokoll und Potenzial der TPS als Zusatztherapie
Die Video-Publikation zur Transkranielle Pulsstimulation (TPS) bei Alzheimer-Patienten von Cont et al. unter der Leitung des TPS-Experten und -Key-Opinion-Leaders Prof. Dr. Lars Wojtecki wurde kürzlich im »Journal of Visualized Experiments (JoVE)« in der Rubrik Neuroscience veröffentlicht. Mit diesem innovativen Format werden praktische Methodik und wissenschaftlicher Kontext kombiniert. Dadurch wird eine praktische Demonstration des TPS-Behandlungsprotokolls ermöglicht und ein prägnanter Überblick über die repräsentativsten, bisher veröffentlichten klinischen Daten gegeben. Die Kernbotschaft: Die Transkranielle Pulsstimulation bietet mehrere deutliche Vorteile und weist ein grosses Potenzial als ergänzende Therapieoption für Patienten mit Alzheimer-Demenz auf.
TPS bei Alzheimer: Neue Studie zeigt Therapiepotenzial
Bei TPS handelt es sich um eine nicht-invasive Neuromodulationstherapie zur Behandlung von Patienten mit Alzheimer-Demenz (AD). Im Rahmen verschiedener Studien hat sich gezeigt, dass diese Therapie vielversprechende Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen hat. Ein kürzlich veröffentlichte Video-Publikation zur TPS für Alzheimer-Patienten von Cont et al. unter der Leitung des TPS-Experten und -Key-Opinion-Leaders Prof. Dr. Lars Wojtecki beschreibt das Behandlungsprotokoll und bietet einen kurzen Überblick über die bisher veröffentlichten repräsentativen klinischen Ergebnisse.1 Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die TPS mehrere deutliche Vorteile bietet und das Potenzial als eine Zusatztherapie für Alzheimer-Patienten aufweist.

TPS-Protokoll detailliert erklärt
Die Autoren geben in der Publikation einen hervorragenden Überblick über das TPS-Behandlungsprotokoll und erklären alle wichtigen Schritte. Die folgenden Punkte werden dabei ausführlich erörtert: Patientenauswahl und -vorbereitung, neuropsychologische Untersuchungen, Vorbereitung des Medizinprodukts und der Umgebung, Hochspannungstest, Vorbereitung des Handstücks, Kalibrierung für neue Patienten, Vorbereitung des Behandlungsbereichs, Durchführung der Behandlung und Massnahmen im Anschluss an die Behandlung.
Repräsentative Ergebnisse: Beste Verbesserung bei einem Patienten betrug 40 %
Im anschliessenden Abschnitt der Publikation stellen die Autoren repräsentative Ergebnisse von insgesamt elf Alzheimer-Patienten vor, die mit TPS behandelt wurden (neun Männer, zwei Frauen, Altersspanne 59–77 Jahre, mittleres Alter = 69,82 Jahre). Die Behandlung wurde in sechs anfänglichen Sitzungen über einen Zeitraum von 2 Wochen als erster Behandlungszyklus durchgeführt. Das Behandlungsprotokoll umfasste folgende Parameter während der Stimulation: 4 Hz, 0,20 mJ/mm2 und 6000 Impulse. Bei drei von elf Patienten (27 %) traten bei drei von insgesamt 75 Sitzungen (4 %) unerwünschte Ereignisse (Kieferschmerzen, Übelkeit, Schläfrigkeit) auf. Keines dieser Ereignisse dauerte jedoch länger als 24 Stunden an und nicht alle Ereignisse konnten als unerwünschte medizinproduktbedingte Ereignisse (ADE) direkt auf die Stimulation zurückgeführt werden.
Mit einer Verbesserung des ADAS-Gesamtscores (Alzheimer Disease Assessment Scale) von 30,2 auf 25,8 (p = 0,01) nach der Stimulation gegenüber Baseline und einer Verbesserung des ADAS-Cog-Scores von 25,8 auf 23,3 (p = 0,04) wurden signifikante Unterschiede nachgewiesen. Während einige Patienten nur geringfügige Verbesserungen aufwiesen, betrug die beste Verbesserung bei einem Patienten 40 %, was zu einer allgemeinen Verbesserung von 15,76 % im ADAS-Gesamtscore und 8,65 % im ADAS-Cog-Score führte. Zudem wurde ein signifikanter Unterschied bei Depressionssymptomen anhand einer selbstberichteten Subskala des ADAS-Tests festgestellt.
Vor und nach der zweiwöchigen Behandlungsphase wurde eine Bewertungsskala zur subjektiven Einstufung herangezogen. Mithilfe dieser Skala konnten die Patienten den Schweregrad ihrer Symptome und alle wahrgenommenen unerwünschten Ereignisse auf einer numerischen Rating-Skala (NRS) von 0 bis 10 bewerten, wobei eine höhere Zahl eine stärkere Symptomintensität bedeutet. Bei der mittleren subjektiven Verbesserung des Schweregrads der Symptome, gemessen anhand der NRS, wurde eine Abnahme von 5,7 auf 3,4 (p = 0,023) festgestellt.
Diskussion: TPS ist eine potenzielle Zusatztherapie für Alzheimer-Patienten
Im Diskussionsteil ihres Artikels konstatieren die Autoren, dass die TPS einen vielversprechenden Therapieansatz darstellt. Das Stimulationsverfahren ist einfach in der Handhabung und ermöglicht es den Anwendern, die Zielbereiche zu definieren und die Impulsanwendungen während der Behandlung zu visualisieren. Zu den wesentlichen Schritten des TPS-Behandlungsprotokolls zählen die genaue Platzierung des Medizinprodukts über den anvisierten Hirnregionen, die Steuerung der Impulsintensität und -frequenz sowie die Überwachung des Patientenansprechens. In den bislang veröffentlichten Daten wurden klinische kognitive Verbesserungen, eine Zunahme der Kortexdicke in verschiedenen Hirnarealen sowie positive Veränderungen der Gemütslage nachgewiesen.
Im Vergleich zu anderen nicht-invasiven Hirnstimulationsmethoden bietet die Transkranielle Pulsstimulation mehrere deutliche Vorteile. Zum einen werden mechanische Stosswellen mit einer präzisen Neuroausrichtung kombiniert, wodurch eine gezielte Anwendung in den betroffenen Hirnregionen möglich wird. Anders als die transkranielle Magnetstimulation (TMS), die normalerweise lediglich oberflächliche Kortexschichten stimuliert, eignet sich die TPS aufgrund ihrer Eindringtiefe insbesondere für Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz, bei denen tiefere Gehirnstrukturen betroffen sind. Darüber hinaus weist die TPS ein günstiges Sicherheitsprofil auf, da lediglich bei 4 % der Behandlungssitzungen minimale und vorübergehende Nebenwirkungen aufgetreten sind. Dies deutet darauf hin, dass die TPS bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz eine verträglichere Behandlungsoption darstellen könnte.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die TPS bei Anwendung in einem kontrollierten, wissenschaftlich gestützten Rahmen das Potenzial als eine Zusatztherapie für Alzheimer-Patienten aufweist. Mit Blick auf die Zukunft sollten randomisierte kontrollierte Studien mit einer grösseren Patientenpopulation durchgeführt werden, um etwaige Placebo-Effekte auszuschliessen. Zudem sollten sich klinische Studien auf die Ermittlung der optimalen Stimulationsparameter sowie die Untersuchung der Auswirkungen patientenbezogener Faktoren (z. B. das Stadium der Alzheimer-Demenz) auf die Behandlungsergebnisse und der langfristigen Auswirkungen der TPS-Therapie konzentrieren.
1Cont C, Reinboth BS, Schütz C, et al. Transcranial Pulse Stimulation for Alzheimer's Patients. J Vis Exp. 2025;(218):10.3791/67176. Published 2025 Apr 4. doi:10.3791/67176

